Branchen-Radar · Lauf Juli 2026 · Lesedauer: ca. 7 Minuten · Diese Seite wird monatlich aktualisiert.
Während der Neubau schwankt, läuft die Technische Gebäudeausrüstung stabil. Sanierungsstau, Energiewende und wiederkehrende Serviceverträge sorgen für planbare Umsätze, der Wärmepumpen-Absatz hat 2025 mit 299.000 Geräten einen Rekordsprung von 55 Prozent hingelegt, und mit dem am 10. Juli 2026 beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz endet die jahrelange regulatorische Hängepartie um das Heizungsgesetz. Doch genau in dieser stabilen Branche entscheidet nicht die Nachfrage über das Wachstum, sondern das Personal: Rund 17.000 überwiegend kleine Betriebe konkurrieren um dieselben TGA-Planer:innen, MSR-Spezialist:innen und Kältetechniker:innen.
Stabil, wo der Neubau wackelt
Die TGA hat einen strukturellen Vorteil, den kaum eine andere Bausparte teilt: Ihr Servicegeschäft ist weitgehend vom Bauzyklus entkoppelt. Wartung, Instandhaltung und Betrieb machen nach Analysen der Strategieberatung S&B Strategy rund 20 Prozent des Marktes aus – etwa 20 Milliarden Euro – und wachsen bis 2030 um rund 8 Prozent pro Jahr. Selbst in Phasen schwacher Neubautätigkeit sichern laufende Serviceverträge die Auslastung. Nach dem schwierigen Jahr 2025 rechnet der Branchenverband BTGA für 2026 mit einer leichten Stabilisierung des Anlagengeschäfts.
Dass der Neubau als Nachfragequelle vorerst schwach bleibt, zeigen die Fertigstellungszahlen: 2025 wurden in Deutschland nur 206.600 Wohnungen gebaut, 18 Prozent weniger als im Vorjahr (Destatis). Für die TGA verschiebt das die Wertschöpfung weiter in Richtung Bestand – Heizungstausch, energetische Sanierung, Modernisierung der Anlagentechnik.
Wärmepumpen: der Markt hat sich entschieden
Der Wärmepumpen-Absatz legte 2025 nach der gemeinsamen Statistik von BWP und BDH auf 299.000 Heizungs-Wärmepumpen zu – ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals war damit knapp die Hälfte aller in Deutschland abgesetzten Wärmeerzeuger eine Wärmepumpe; Luft-Wasser-Systeme dominieren mit 95 Prozent Marktanteil innerhalb der Technologie. Knapp 80 Prozent der Geräte gehen inzwischen in den Gebäudebestand – die Technologie hat den Sanierungsmarkt erreicht, nicht nur den Neubau.
Für 2026 rechnet der Bundesverband Wärmepumpe im Basisszenario mit rund 410.000 verkauften Geräten – vorausgesetzt, Förderung und Ordnungsrecht bleiben stabil. Genau dieser Punkt hat sich im Juli 2026 geklärt.
GModG beschlossen: Klarheit nach drei Jahren Heizungsdebatte
Am 10. Juli 2026 hat das Gebäudemodernisierungsgesetz nach dem Bundestag auch den Bundesrat passiert. Es ersetzt das Gebäudeenergiegesetz und beendet die Phase, in der jede Investitionsentscheidung im Wärmemarkt unter dem Vorbehalt der nächsten Novelle stand. Die Kernpunkte:
Die pauschale 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht beim Heizungstausch entfällt. Eigentümer entscheiden technologieoffen zwischen Wärmepumpe, Fernwärmeanschluss, Hybridlösungen, Biomasse – und weiterhin Gas- und Ölheizungen, die ab 2029 jedoch schrittweise einen verbindlichen Anteil CO₂-neutraler Brennstoffe nutzen müssen („Biotreppe“). Die Heizungs- und Gebäudeförderung wird fortgeführt und gilt in angepasster Form ab dem 21. Juli 2026, mit gestaffeltem Einkommensbonus und einem Förderdeckel von 28.000 Euro.
Für TGA-Betriebe ist das doppelt relevant: Zum einen entfällt der Beratungsvorbehalt („Warten wir, was Berlin entscheidet“), der 2024 und 2025 spürbar Aufträge verzögert hat. Zum anderen verschiebt Technologieoffenheit die Anforderungen an die Fachplanung – wer Kunden jetzt fundiert zwischen Wärmepumpe, Hybrid und Fernwärme beraten kann, gewinnt das Geschäft. Parallel ist Ende Juni 2026 die Frist der kommunalen Wärmeplanung für Städte über 100.000 Einwohner ausgelaufen; die Wärmepläne der Großstädte liegen damit vor und geben Sanierungsentscheidungen eine lokale Grundlage.
Rechenzentren: das neue Wachstumssegment
Der KI-Boom trifft die TGA direkt. Rechenzentren benötigen enorme Kühlleistung, was Kälte- und Klimatechnik anschiebt – Hersteller wie Ziehl-Abegg investieren zweistellige Millionenbeträge in neue Kapazitäten, und auch der ZDB nennt Rechenzentren als Stütze des gewerblichen Hochbaus. Für TGA-Planer und ausführende Betriebe entsteht hier ein Segment, das von Zinsniveau und Wohnungsbaukonjunktur weitgehend unabhängig wächst – und das mit MSR-Technik, Kälte und Redundanzplanung genau die Qualifikationen nachfragt, die ohnehin am knappsten sind.
Fachkräftemangel deckelt das Wachstum
Der TGA-Markt ist stark fragmentiert: Rund 17.000 überwiegend kleine Betriebe teilen ihn sich. Viele sind technisch stark und regional verankert, aber im Installationsgeschäft voll ausgelastet und personell am Limit. Genau deshalb kaufen Finanzinvestoren seit einigen Jahren Betriebe zu Plattformen zusammen (Buy-and-Build): Wachstum gelingt in der TGA weniger über neue Aufträge als über die Fähigkeit, Fachkräfte zu gewinnen, zu binden und auszubilden.
Gesucht werden vor allem TGA-Planer:innen, MSR- und Gebäudeautomations-Spezialist:innen, Kältetechniker:innen und Elektrofachkräfte. In den gewerblich-technischen Gewerken sind Praktiker aus Handwerk und Anlagenbau ein realistischer Quereinstieg – vorausgesetzt, der Betrieb erreicht sie überhaupt, denn diese Zielgruppe bewirbt sich selten aktiv. Eine ausführliche Analyse der Engpässe in Heizung, Klima, Lüftung und Sanitär findet sich in unserem Beitrag zum Fachkräftemangel in der TGA/HKLS.
Einordnung für die Personalplanung
Für TGA-Unternehmen, Ingenieurbüros und Generalplaner ist 2026 ein Jahr mit klarer Rechnung: Die Nachfrage ist da, die Regulierungsunsicherheit ist weitgehend abgeräumt, und der begrenzende Faktor ist die Mannschaft. Bei Planungs- und Spezialistenprofilen führt der Weg fast immer über die direkte Ansprache im Bestand der Wettbewerber; bei gewerblich-technischen Positionen – Kältetechnik, Elektro, Anlagenmechanik – bewährt sich ein strukturierter Prozess wie das Premium Recruiting, der auch wechselbereite Quereinsteiger sichtbar macht. Riverstate besetzt TGA-Planungs- und Spezialistenpositionen für Ingenieurbüros, TGA-Unternehmen und Generalplaner über direkte Ansprache statt Stellenanzeigen. Welche Profile in der Branche typischerweise besetzt werden, zeigt unsere Branchenseite TGA.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist die TGA-Branche krisenfest?
Weitgehend. Das Servicegeschäft – rund 20 Milliarden Euro und etwa ein Fünftel des Marktes – ist vom Bauzyklus entkoppelt und wächst laut S&B Strategy bis 2030 um rund 8 Prozent pro Jahr. Das stabilisiert die Branche auch bei schwachem Neubau.
Wie hat sich der Wärmepumpen-Markt 2025 entwickelt?
Der Absatz stieg auf 299.000 Heizungs-Wärmepumpen, ein Plus von 55 Prozent (BWP/BDH). Erstmals war knapp die Hälfte aller verkauften Wärmeerzeuger eine Wärmepumpe. Für 2026 erwartet der BWP im Basisszenario rund 410.000 Geräte.
Was bedeutet das Gebäudemodernisierungsgesetz für die TGA?
Das am 10. Juli 2026 verabschiedete Gesetz ersetzt das GEG: Die 65-Prozent-Regel entfällt, die Heizungswahl wird technologieoffen, die angepasste Förderung gilt ab dem 21. Juli 2026. Für TGA-Betriebe endet damit die Investitionszurückhaltung der Kunden, gleichzeitig steigen die Anforderungen an technologieoffene Fachberatung.
Warum treiben Rechenzentren die TGA-Nachfrage?
KI-Rechenzentren benötigen massive Kühl- und Klimatechnik sowie MSR- und Redundanzplanung. Das Segment wächst unabhängig von Zinsniveau und Wohnungsbau und konkurriert um dieselben Spezialistenprofile wie das klassische TGA-Geschäft.
Welche TGA-Fachkräfte sind besonders gefragt?
TGA-Planer:innen, MSR- und Gebäudeautomations-Spezialist:innen, Kältetechniker:innen und Elektrofachkräfte. Der Fachkräftemangel gilt in der stark fragmentierten Branche (rund 17.000 Betriebe) als zentraler Wachstumsengpass – Wachstum entscheidet sich über Personal, nicht über Auftragslage.
Ist die kommunale Wärmeplanung schon verbindlich?
Für Städte über 100.000 Einwohner ist die Frist Ende Juni 2026 ausgelaufen; deren Wärmepläne liegen vor. Kleinere Kommunen haben bis Mitte 2028 Zeit. Die Pläne schaffen die lokale Grundlage für Heizungs- und Sanierungsentscheidungen.
Quellen
- BWP / BDH: Absatzstatistik Wärmepumpen 2025 (Januar 2026); BWP-Prognose 2026
- Bundesregierung: Gebäudemodernisierungsgesetz (Bundesratsbeschluss 10. Juli 2026)
- S&B Strategy: TGA-Servicemarkt bis 2030
- BTGA: Frühjahrsgutachten 2026
- Destatis: Baufertigstellungen 2025
- tga-fachplaner.de: GModG und kommunale Wärmeplanung 2026
- VR Equitypartner: Struktur des TGA-Markts
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