Hochbau 2026: Die Aufträge kommen zurück – und drei Gesetze entscheiden, wer sie umsetzt

Eine Gruppe von Fach- und Führungskräften der Baubranche bespricht Baupläne und digitale Daten an einem Konferenztisch, teilweise in Warnwesten und mit Schutzhelmen.

Branchen-Radar · Lauf Juli 2026 · Lesedauer: ca. 7 Minuten · Diese Seite wird monatlich aktualisiert.

Der deutsche Hochbau hat die Talsohle durchschritten – die Erholung ist real, aber dünn und ungleich verteilt. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) erwartet für 2026 rund 178 Milliarden Euro Branchenumsatz im Bauhauptgewerbe, ein reales Plus von 2,5 Prozent und die erste Aufwärtsbewegung nach vier schwachen Jahren. Gleichzeitig hat sich im Juli 2026 die Gesetzeslage so stark bewegt wie seit Jahren nicht: Das Gebäudemodernisierungsgesetz hat Bundestag und Bundesrat passiert, der Entwurf zum Gebäudetyp-E-Gesetz ist fertig, und das BauGB-Upgrade steht im parlamentarischen Verfahren. Der Haken liegt an einer Stelle, die in den Konjunkturzahlen untergeht: Das Bauhauptgewerbe hat 2024 erstmals seit 2008 Personal abgebaut. Wer die zurückkehrenden Aufträge umsetzen will, braucht Menschen, die knapp werden, sobald alle gleichzeitig suchen.

Die Wende ist da, aber sie ist dünn

Die Zahlen zeichnen ein doppeltes Bild. Der ZDB prognostiziert für 2026 einen Branchenumsatz von rund 178 Milliarden Euro (nominal +6 Prozent, real +2,5 Prozent) – nach 168 Milliarden Euro im Jahr 2025. Getragen wird das Wachstum überwiegend vom Tiefbau, der zusätzlich vom Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität profitiert; der Hochbau wächst verhaltener.

Im Wohnungsbau bleibt die Lage angespannt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2025 nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2012, bei einem jährlichen Bedarf von rund 320.000 Wohnungen laut BBSR. Die Genehmigungen deuten eine Kehrtwende an: Im April 2026 lagen sie 9,2 Prozent über dem Vorjahresmonat, von Januar bis April kumuliert 13,2 Prozent im Plus. Zwischen Genehmigung und Fertigstellung vergehen im Wohnungsbau allerdings inzwischen durchschnittlich 27 Monate – die heutigen Genehmigungen werden also erst 2028 zu bezogenen Wohnungen.

Gleichzeitig bleibt der Markt fragil: Im März 2026 registrierten die Amtsgerichte 15,8 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen als ein Jahr zuvor, und der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe lag im März 7,7 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Die Erholung ist echt. Sie trägt nur noch nicht überall.

Drei Gesetze schreiben die Regeln neu – der Stand im Juli 2026

Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG): beschlossen. Am 10. Juli 2026 hat das neue Gesetz nach dem Bundestag auch den Bundesrat passiert und ersetzt das bisherige Gebäudeenergiegesetz. Die pauschale 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien beim Heizungstausch entfällt; Eigentümer entscheiden künftig technologieoffen über die Heizungsart, wobei Gas- und Ölheizungen ab 2029 schrittweise einen verbindlichen Anteil CO₂-neutraler Brennstoffe nutzen müssen. Die angepasste Heizungs- und Gebäudeförderung gilt ab dem 21. Juli 2026. Für den Hochbau bedeutet das vor allem eines: Die jahrelange Unsicherheit über die Energieregeln, die Sanierungs- und Neubauentscheidungen gebremst hat, ist einem klaren Rahmen gewichen.

Gebäudetyp-E-Gesetz: Entwurf fertig. Am 7. Juli 2026 haben Justiz- und Bauministerium den fertigen Gesetzentwurf angekündigt; die Kabinettsbefassung soll in den kommenden Monaten folgen. Das Gesetz erleichtert das Abweichen von reinen Komfort- und Ausstattungsstandards im Bauvertragsrecht – dünnere Betondecken, reduzierter Schallschutz, unbeheizte Treppenhäuser –, während sicherheitsrelevante Normen wie Statik und Brandschutz unberührt bleiben. Fachleute taxieren das Einsparpotenzial auf rund 8,1 Milliarden Euro pro Jahr. Für Bauunternehmen heißt das: mehr Spielraum, aber auch mehr Verantwortung in der Vertragsgestaltung.

BauGB-Upgrade: im parlamentarischen Verfahren. Die zweite Stufe der Baugesetzbuch-Reform hat am 25. Juni 2026 die erste Lesung im Bundestag durchlaufen und stand am 10. Juli auf der Tagesordnung des Bundesrats; das Inkrafttreten ist für den 1. Januar 2027 geplant. Kern sind schnellere Bauleitplanverfahren, Digitalisierung und eine effizientere Umweltprüfung. Die erste Stufe – der Bau-Turbo mit dem neuen § 246e BauGB – ist bereits seit Oktober 2025 in Kraft, läuft in der kommunalen Praxis nach ersten Analysen aber noch schleppend an.

Drei Vorhaben, ein gemeinsamer Nenner: einfacher, schneller, günstiger bauen. Umsetzen werden das nicht die Gesetze, sondern die Menschen in den Unternehmen.

Der Engpass ist nur verdeckt

Hier liegt das eigentliche Signal für die Personalplanung. 2024 sank die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe erstmals seit 2008 – um rund 11.500 auf 916.000 Stellen, laut HDB vor allem im Hochbau. 2025 drehte der Trend leicht ins Plus: In den ersten sieben Monaten erhöhten die Betriebe ihren Personalbestand um rund ein Prozent. Der Fachkräftemangel ist damit nicht verschwunden, sondern verdeckt: In einer schwachen Konjunktur werden weniger Projekte gestartet, also weniger Stellen ausgeschrieben, und der Engpass fällt kaum auf.

Der ZDB selbst benennt den Mechanismus: Viele Betriebe geben an, wieder stärker einstellen zu wollen – aber erst, wenn tatsächlich gebaut wird. Genau darin steckt der Denkfehler. Wer wartet, bis die Auslastung da ist, sucht im selben Moment wie alle anderen. Das Zeitfenster, erfahrene Bauleiter:innen, Kalkulator:innen und Projektsteuerer:innen zu gewinnen, ist die ruhige Phase davor.

Die betriebswirtschaftliche Seite wird dabei oft unterschätzt. Eine unbesetzte Stelle in einem Engpassberuf kostet laut IW Köln im Schnitt 29.000 Euro Wertschöpfung pro Jahr. Auf der Baustelle wird es unmittelbarer: Fehlt die Bauleitung, drohen Stillstand, Vertragsstrafen nach VOB/B und der Verlust von Nachtragsforderungen, weil niemand das Claim-Management führt. Bei einer durchschnittlichen Vakanzzeit von 273 Tagen für Bauleitungspositionen (Bundesagentur für Arbeit) summiert sich das schnell zu einem sechsstelligen Schaden pro Position. Eine ausführliche Analyse dieses Paradoxons – sinkende Engpasszahlen bei steigendem Besetzungsrisiko – findet sich in unserem Beitrag zum Fachkräftemangel im Bau 2026.

Einordnung für die Personalplanung

Aus Sicht der Personalberatung ist die Lage im Hochbau eine Frage des Timings, nicht der Panik. Erfahrene Bauleiter:innen und Kalkulator:innen stehen derzeit in festen Anstellungsverhältnissen und lesen keine Jobbörsen – erreichbar sind sie über direkte, persönliche Ansprache, wie sie etwa im Direct Search zum Einsatz kommt. Riverstate besetzt Bauleitungs-, Kalkulations- und Projektsteuerungspositionen im Hochbau in der Regel innerhalb von 6 bis 10 Wochen – gegenüber 273 Tagen durchschnittlicher Vakanzzeit bei der Eigensuche. Wer die Suche vorbereitet, bevor die Auftragsbücher voll sind, besetzt zu besseren Konditionen und ohne Zeitdruck. Welche Profile im Hochbau typischerweise gesucht werden, zeigt unsere Branchenseite Hochbau.

Häufige Fragen (FAQ)

Erholt sich der Hochbau 2026 wirklich?

Die Branche hat die Talsohle durchschritten. Der ZDB erwartet für das Bauhauptgewerbe 2026 real plus 2,5 Prozent auf rund 178 Milliarden Euro Umsatz, getragen vor allem vom Tiefbau. Die Baugenehmigungen im Wohnungsbau lagen im April 2026 um 9,2 Prozent über dem Vorjahr – das Niveau bleibt aber historisch niedrig.

Wie viele Wohnungen wurden 2025 in Deutschland fertiggestellt?

206.600 Wohnungen – 18 Prozent weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 2012 (Destatis). Der jährliche Bedarf liegt laut BBSR bei rund 320.000 Wohnungen.

Was ändert das Gebäudemodernisierungsgesetz für den Bau?

Das am 10. Juli 2026 verabschiedete Gesetz ersetzt das Gebäudeenergiegesetz. Die 65-Prozent-Regel beim Heizungstausch entfällt, die Heizungswahl wird technologieoffen, und die angepasste Förderung gilt ab dem 21. Juli 2026. Für Bauherren und Sanierer endet damit eine lange Phase regulatorischer Unsicherheit.

Was ist der Gebäudetyp E und wann kommt er?

Der Gebäudetyp E erlaubt, im Bauvertrag von reinen Komfort- und Ausstattungsstandards abzuweichen, ohne sicherheitsrelevante Normen anzutasten. Der Gesetzentwurf wurde am 7. Juli 2026 als fertig angekündigt; die Kabinettsbefassung steht noch aus. Das Einsparpotenzial wird auf rund 8,1 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Warum jetzt Personal suchen, wenn die Auslastung noch niedrig ist?

Weil der Fachkräftemangel im Hochbau nur verdeckt ist: 2024 wurde erstmals seit 2008 Personal abgebaut, 2025 drehte der Trend bereits wieder ins Plus. Sobald die Aufträge zurückkommen, suchen alle gleichzeitig – die ruhige Phase davor ist das günstigste Zeitfenster.

Was kostet eine unbesetzte Bauleiterstelle?

Im Schnitt 29.000 Euro Wertschöpfungsverlust pro Jahr (IW Köln), hinzu kommen auf der Baustelle Stillstandskosten, VOB/B-Vertragsstrafen und entgangene Nachträge. Die durchschnittliche Vakanzzeit für Bauleitungspositionen liegt laut Bundesagentur für Arbeit bei 273 Tagen.

Quellen

  • ZDB: Baukonjunkturzahlen 2025 und Prognose 2026 (Dezember 2025)
  • Destatis: Baufertigstellungen 2025, Baugenehmigungen April 2026, Unternehmensinsolvenzen März 2026
  • BBSR: Wohnungsbedarf bis 2030
  • HDB: Beschäftigung im Bauhauptgewerbe 2024/2025
  • Bundesregierung: Gebäudemodernisierungsgesetz (Bundesratsbeschluss 10. Juli 2026)
  • BMJ / BMWSB: Gebäudetyp-E-Gesetzentwurf (Ankündigung 7. Juli 2026)
  • Bundestag: BauGB-Upgrade, erste Lesung 25. Juni 2026
  • IW Köln: Wertschöpfungsverluste durch unbesetzte Stellen
  • Bundesagentur für Arbeit: Engpassanalyse, Vakanzzeiten Bauberufe

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